
Die ehemalige Freiwillige Nadine war wieder zwei Monate für die burundikids vor Ort. Für die Interessierten zu Hause gibt es hier einen kleinen Einblick in ihre Arbeit:
„Diesen Sommer hat es mich wieder zurück nach Burundi gezogen. Meinen ersten Einsatz hier hatte ich vom 17. Juli 2007 bis zum 6. März 2008 geleistet, im Rahmen meines Studiums der Sozialen Arbeit. Dieses Mal ist mein Aufenthalt leider kürzer. Ich hab nur während der Semesterferien Zeit, vor Ort in Burundi zu arbeiten, um genau zu sein vom 11.7.2008 bis zum 11.9.2008.
Die Arbeit begann schon am zweiten Tag. Mein Einsatzort: Buterere, eines der ärmsten Viertel Bujumburas. Ich kenne es sehr gut, da ich hier von vergangenen November bis März fast täglich mit der überwiegend weiblichen Bevölkerung arbeitete.
Hier leben die Menschen in kleinen Lehmhütten, ohne Strom und ohne Wasser. Der größte Teil der von ihnen hat keine Arbeit. Sie halten sich durch Gelegenheitsjobs über Wasser. Viele Frauen sind Witwen und müssen alleine für den Lebensunterhalt ihrer Kinder aufkommen. Sie sind zahlreich, nicht selten mehr als sieben Kinder pro Familie. Die Frauen sind oft die Haupternährer, sie arbeiten entweder auf dem kleinen Markt, der direkt an der staubigen „Hauptstraße“ des Viertels liegt, und verkaufen dort Süßkartoffeln, Tomaten, Reis oder anderes Gemüse. Oder sie verkaufen Kohle, Palmöl und Mehl vor ihrer Haustür. Leider gibt es aber auch viele, die keinerlei Einnahmen haben. Sie gehen jeden Tag den langen Weg von Buterere bis ins Zentrum Bujumburas, um dort am Straßenrand zu betteln. Dabei sind ihre Kinder die Garantie für den Erfolg. Sie können am Tag bis zu 5.000 FBu (burundische Franc) erbetteln. Das entspricht beim derzeitigen Kurs etwa drei Euro. Eine Frau, die ein Feld für jemanden bestellt, verdient im Vergleich etwa 800 FBu pro Tag...
Um diesen Frauen und ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen, verteilte ich im Auftrag der Fondation Stamm Mikrokredite. Das Geld für diese Starthilfe kommt größtenteils durch private Spenden zusammen. Jede Frau bekommt etwa 50.000 FBu, die sie innerhalb einer gewissen Zeit zurück zahlen muss. Ein weiteres Projekt war, den Frauen anstelle von Geld Kleidung zu geben, mit der sie einen kleinen Handel starten konnten. Viel Kleidung, die dieses Projekt möglich machte, haben wir derzeit zur Verfügung, die in einem Container nach Burundi kam. Pro Kleidungsstück müssen sie 500 FBu zurückzahlen. Dieses Geld kommt dann wiederum in Form von Mikrokrediten anderen Frauen zugute.
Neben diesen schon recht offiziellen Aufgaben habe ich mich noch um die alltäglich anfallenden Arbeiten gekümmert. Hier und da fehlt es an Schuhen für die Kinder, die auf dem Markt besorgt werden müssen. Manche Frauen musste ich auf dem Markt oder zu Hause besuchen, damit man sicher gehen kann, dass sie das Geld vernünftig angelegt haben, wieder anderen Familien fehlt zu Hause ein Dach oder eine Tür. Solche Dinge müssen dann besorgt und angebracht werden. Dabei gestaltet sich der Transport noch am Schwierigsten: Zusammengerolltes Wellblech, verteilt auf zwei Fahrradtaxis, über Stock und Stein.
Außerdem sind dann da ja noch die Kinder, die das Herz meiner Arbeit
darstellen. Windeln wollen gewechselt werden, die Mädels haben Redebedarf
bei kleinen und großen Sorgen, die Jungs nehmen meine volle Aufmerksamkeit
beim Fußballspielen in Anspruch.
Das, was mir von allen Dingen am Schwersten fällt, sind die Rückführungen.
Die Kinder kommen nicht ins Heim, um dort Wurzeln zu schlagen. Sie sollen – so
weit es möglich ist – zurück in ihre Familien gebracht werden.
Bis ich diese ausfindig gemacht und über den Aufenthaltsort ihrer Kinder,
Nichten, Neffen oder Enkel aufgeklärt habe, habe ich mich schon so sehr
an unsere Schützlinge gewöhnt, dass es schwer fällt, sie gehen
zulassen. Eine Entschädigung hierfür sind dann jedoch die glücklichen
Gesichter der wiedervereinten Familien.“
Weitere Infos zu Nadines Einsatz finden sich in ihrem online geführten Tagebuch: www.nadineinburundi.wordpress.com