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IWACU, Les Voix Du Burundi

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10 Architekturtudenten der FH Düsseldorf bei ihrer Exkursion nach Burundi und ihre Eindrücke in Bildern.

Die Rolle der Landwirtschaft in Burundi – warum Burundi auf Unterstützung angewiesen ist

Burundis Nähe zum Äquator sorgt das ganze Jahr über für tropische Wärme (im Durchschnitt zwischen 17 und 23°C). Trocken- und Regenzeiten wechseln sich ab. Für das Pflanzenwachstum sind das gute Bedingungen – die Landschaft sieht grün und fruchtbar aus. Dieser Eindruck ist irreführend. Denn Burundis Landwirtschaft kann die eigene Bevölkerung kaum ernähren, geschweige denn Produkte für den Export erzeugen. Die meisten Bauern in Burundi sind Selbstversorger. Verglichen mit den Industriestaaten ist die Produktivität des landwirtschaftlichen Sektors gleich Null. („The GlobalEconomy.com“, Weltbank) Gründe dafür sind wie folgt:

Bodenfruchtbarkeit

Die Böden Burundis sind nährstoffarm. Wie die meisten tropischen Böden sind sie erdgeschichtlich älter als die Böden der gemäßigten Breiten. Der Verwitterungsprozess des Gesteins ist weit fortgeschritten und die Minerale ausgewaschen. Um auf diesen Böden Ertrag zu erwirtschaften, müssen sie vor Degradierung geschützt und mit Dünger versorgt werden. Beides können Landwirte in Burundi meist nicht leisten.

Betriebsstrukturen in der Landwirtschaft

Burundis Landwirte sind Selbstversorger und haben wenig finanziellen Spielraum. Große spezialisierte landwirtschaftliche Betriebe, die in den Industriestaaten für hohe Produktivität sorgen, gibt es kaum. In Burundi hat eine Familie im Durchschnitt ca. 0,5 – 0,7 ha zur Verfügung, auf denen sie Mais, Sorghum, Reis oder Knollenfrüchte und Bohnen anbaut (Angaben der FAO). Diese Fläche ist durch die Aufteilung an nachfolgende Generationen immer kleiner geworden und reicht inzwischen nicht mehr aus, um eine Familie zu ernähren. Kaffee und Tee besitzen eine Sonderstellung als eine der wenigen Exportprodukte Burundis. (CIA: ‚The World Fact Book‘, Burundi).

Technischer Fortschritt

Burundis Landwirte können sich Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel von guter Qualität nicht leisten. Sie haben wenige Möglichkeiten, ihre Fachkenntnis zu erweitern und dadurch ihre Ernteerträge zu verbessern. Das Risiko, Verluste zu erleiden, ist hoch.

Risiken

Naturkatastrophen wie Dürren und Starkregen sind in Burundi keine Seltenheit. Sie verringern Ernten oder vernichten sie ganz. Fällt eine Ernte aus, leiden nicht nur die Selbstversorger unter Nahrungsmittelknappheit, sondern die gesamte Bevölkerung, denn es gibt weniger Feldfrüchte und Gemüse auf den Märkten zu kaufen.

Bevölkerungswachstum

Mit Hilfe von Investition in Technik und Know-how können die ungünstigen Faktoren verbessert werden. Allerdings entsteht durch das rasche Bevölkerungswachstum ein hoher Druck, der die ländliche Bevölkerung in Burundi zwingt, immer mehr Flächen in die Produktion zu nehmen. Dies geschieht auch auf Standorten, die dafür nicht geeignet sind, z.B. auf Berghängen, in (trockengelegten) Feuchtgebieten und Wäldern. Der Boden dieser Standorte degradiert leicht und geht als Ressource verloren. Land ist in Burundi knapp. Zum Vergleich: In Burundi leben 314 Einwohner auf einem Quadratkilometer, in Deutschland 229. Die Wachstumsrate der Bevölkerung in Burundi beträgt 2,5%, in Deutschland 0,5%. („Aquastat“, Food an Agricultural Organization of the United Nations, FAO‚ 2011 und Statistisches Bundesamt).

 

Perspektiven

Überbevölkerung und Land-Degradierung verstärken Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen. Geschichte und Politik Burundis hängen eng mit der Ressourcenknappheit zusammen. Ein Bericht der amerikanischen Organisation für Entwicklungszusammenarbeit USAID (United States Agency for International Development), beschreibt diese Zusammenhänge und spricht von einer Negativ-Spirale:
The Link between Land, Environment, Employment, and Conflict in Burundi” (Englisch)

Um Burundi aus dem Teufelskreis von Flächenknappheit, Degradierung, Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen herauszuführen, muss die ländliche Entwicklung in eine andere Richtung gesteuert werden, so die Verfasser dieser Studie, weg vom Modell der Selbstversorgung mit einigen wenigen Exportkulturen, hin zu einer Intensivierung mit mehr technischem Input (Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel). Das Potenzial, die Ernteerträge zu erhöhen ist zwar begrenzt, aber vorhanden, zum Beispiel beim Anbau von Bananen, Kartoffeln und Süßkartoffeln für den Verkauf auf regionalen und lokalen Märkten.

Der Bericht richtet sich an Burundis Regierung und an die internationalen Geldgeber - ohne die Burundi keine Handlungskapazität aufbringen kann – und schlägt vor, die Aus- und Weiterbildungen auf dem landwirtschaftlichen Sektor zu fördern, die Agrarforschung zu stärken und dafür zu sorgen, dass Informationen an die Landwirte verbreitet werden (extension service). Außerdem sollen regionale Kooperationen mit den Nachbarstaaten Rwanda und Kongo gestärkt werden, um Zugang zu Absatzmärkten zu bekommen. An die Adresse der Privatwirtschaft gerichtet, appellieren sie, Kommunikationswege zu verbessern, um lokale und regionale Märkte zu erschließen und Marktnischen ausfindig zu machen. Dadurch können Arbeitsplätze in dem der Landwirtschaft nachgeordneten Sektor entstehen, die dringend erforderlich sind. Langfristig steht die Kontrolle des Bevölkerungswachstums an erster Stelle. Außerdem muss eine Landreform den Zugang zu Landbesitz neu regeln.

Für die Aus- und Weiterbildung in der ländlichen Region leisten burundikids und die Fondation Stamm in Zusammenarbeit mit der Erbacher Stiftung bereits jetzt Unterstützung, sowohl mit der Veterinärausbildung in der ETO in Gitega, als auch mit Schulungen von Kleinbauern, darunter auch ehemalige Kindersoldaten und Demobilisierte. Ein Ziel ist die Bauern von der reinen Selbstversorgung hin zur professionellen Landwirtschaft zu führen, um Armut und Hunger zu bekämpfen und die Abwanderung der Bevölkerung in die Städte einzuschränken.

(In den Länderportalen der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) befindet sich eine umfassende Linksammlung zu Grunddaten über Burundi)

Text: Barbara Hiller