burundikids e.V.
 
 

Technikerschule ETO in Gitega (AZG Fikentscher)

Technikerschule ETO in Gitega (AZG Fikentscher)

Die erste Schülerzeitung der EPCM gibt es hier zum Download!

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Blick auf den Schulhof der ETO w�hrend der Pause
Blick auf den Schulhof der ETO während der Pause

Ausbildungszentrum Gitega (AZG Fikentscher)

Aktuell – Eine Technikerschule für Gitega: AZG wird ETO

Seit 2009 bietet das Ausbildungszentrum Gitega (AZG) Berufsausbildungen für benachteiligte Jugendliche. Mehr als 500 Mädchen und Jungen haben seither in Elektrizität, Schreinerhandwerk, Schneiderei, Sanitär, Schweißerarbeiten, Lederverarbeitung und Kochkursen erfolgreich eine Ausbildung absolviert. Seit der offiziellen Eröffnung durch den Deutschen Botschafter sowie die Partner Prof. Wolfgang Fikentscher und seiner Frau Elke Fikentscher von der gleichnamigen Kinderhilfestiftung bestehen außerdem Kooperationen der Schule mit anderen Organisationen wie SOS Kinderdorf und katholischen Zentren für benachteiligte Kinder.

In Gitega, der zweitgrößten Stadt Burundis, hat sich seitdem jedoch der Bedarf an beruflicher Bildung gewandelt. Im Vordergrund stehen nunmehr fundierte, langjährige Ausbildungen in ausgewählten Berufszweigen. Die veränderte Nachfrage war der Grund für das Umdenken auch beim Träger der Berufsschule: unser Partner vor Ort, die Fondation Stamm.

Nach einer Sondierung unter den Jugendlichen in Gitega sowie Absprachen mit der lokalen Administration und unter Berücksichtigung der nationalen Entwicklungspläne für jede Kommune fiel die Entscheidung für eine Umstrukturierung der Berufsschule. Künftig sollen zwei Ausbildungen angeboten werden: Veterinärwesen und Informatik. Erstere dauert vier Jahre, die IT nur drei Jahre und beide werden mit dem A2-Diplom abgeschlossen, das mit dem Fachabitur vergleichbar ist. Das Diplom zeichnet die Qualifikation der Jugendlichen aus und gibt ihnen Zugang zu den entsprechenden Fakultäten auf Universitätsniveau.

Entsprechende staatliche Inspektionen unter Federführung des Bildungsministeriums wurden erfolgreich bestanden, das notwendige Personal für Lehre und Direktion eingestellt und der neue Name für die Bildungseinrichtung gewählt: Ecole Technique Omnis, kurz ETO.

In der ersten Generation der beiden kostenpflichtigen Ausbildungsgänge an der ETO lernen seit Schuljahresbeginn Anfang September 2013 25 Schüler in der Informatik und 25 in der Veterinär-Klasse. Betreut und unterrichtet werden sie von einem Team teilweise fest angestellter, teilweise auf Stundenbasis bezahlter Fachlehrer.

Für den praktischen Unterricht in Informatik stehen vollständig ausgestattete IT-Räume zur Verfügung. Gelehrt wird nicht nur das Programmieren, sondern auch das Innenleben eines PCs, die Instandhaltung der Hardware. Für die Veterinäre wurde bereits ein Hühnerstall auf dem Schulgelände gebaut. Ein weiteres Terrain für den Bau von Ställen für Kühe und Ziegen für Lernzwecke wird in den kommenden Monaten vom Gouverneur Gitegas zur Verfügung gestellt. Außerdem ist geplant, für Praktika der künftigen Veterinäre während der Schulferien, die Synergie der Projekte der Fondation Stamm zu nutzen und die Felder und Viehbestände des Ausbildungsprojekts in Ngozi, der Provinz nördlich Gitegas, zu besuchen. Sie befinden sich mitten auf dem Land in der Kommune Ruhororo, etwa eine Stunde Fahrt von Gitega entfernt.

An den Nachmittagen werden außerdem einfache Computerkurse für die Jugend Gitegas angeboten und damit die bisherige Praxis fortgesetzt. Denn ohne Word und Excel ist es heutzutage auch in Burundi schwierig, eine gut bezahlte Arbeit zu finden. Ein Internetanschluss soll darüber hinaus den Schülern den Blick in die Welt eröffnen.

Historie

burundikids startete im März 2008 mit dem Bau eines neuen Projekts zur weiteren Entwicklung in Burundi. Geplant war ein Berufsausbildungszentrum für Jugendliche aus armen Verhältnissen in Gitega, der zweitgrößten Stadt Burundis in der Landesmitte. Ermöglicht wurde dieses große Vorhaben durch die Wolfgang R. Fikentscher Kinderhilfestiftung mit Sitz in München, als Partner von burundikids.

Das Grundstück, auf dem gebaut werden sollte, liegt am Stadtrand von Gitega und wurde von der örtlichen Administration für das Vorhaben kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Bauplanung lag in den Händen von Architektin und burundikids-Vorstand Martina Wziontek, durchführende Bauherrin war der Partner vor Ort, die Fondation Stamm.

AZG Fikentscher in Gitega, August 2008
Der Stand der Arbeiten Ende August 2008.

Die neue Berufsausbildungsstätte, für die ein Budget von insgesamt 61.000 Euro zur Verfügung steht, sollte aus drei Gebäudeeinheiten bestehen, in denen über 200 Jugendliche in sechs praktischen Handwerksberufen (Maurer, Schreiner, Schlosser, Elektriker, Schneider und Klempner) sowie in Computeranwendung ausgebildet werden sollten. Dabei sollte jede Klasse auf 20 Auszubildende beschränkt werden, um die Effektivität und Qualität des Lernens zu gewährleisten. Außerdem wurde in zwei „Schichten“ – vormittags und nachmittags – unterrichtet, sodass die doppelte Anzahl Jugendlicher erreicht werden konnte. Voraussetzung für die Ausbildung am Ausbildungszentrum Fikentscher Gitega (AZG) ist der erfolgreiche Abschluss der Grundschule (sechs Jahre).

Darüber hinaus versorgte burundikids die Auszubildenden mit einer Mahlzeit, da die Jugendlichen weite Schulwege von ihren weit verstreuten Höfen zum AZG zurücklegen müssen. Gefördert werden sollten insbesondere Straßenkinder aus dem Heim der Fondation Stamm in Gitega, sowie arme Kinder aus Gitega und seiner ländlichen Umgebung, Waisen- oder Halbwaisenkinder und jugendliche Vollwaisen, die sich um jüngere Geschwister kümmern müssen, Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingslagern, sowie aus dem benachbarten Tansania heimkehrende Flüchtlingskinder und ehemalige Kindersoldaten.

Am Montag, 24. August 2009, wurde das Ausbildungszentrum Gitega (AZG) offiziell eingeweiht. Feierlicher Höhepunkt für die Jugendlichen war die Zeugnisvergabe an die erste Generation von Auszubildenden, die in Elektrizität, Schneiderei, Schreinerei und Kochen/Service nach sechs Monaten ihren Abschluss absolvierten.

Vertreter der burundischen Regierung und örtlichen Administration, Verena Stamm und selbst der deutsche Botschafter in Burundi, Joseph Weiß, ließen es sich nicht nehmen, den 75 Mädchen und Jungen persönlich zu gratulieren. Eigens für die Einweihung aus Deutschland angereist war das Ehepaar Fikentscher, durch dessen Familienstiftung der Bau der professionellen Berufsschule erst möglich wurde. Und auch Martina Wziontek, Gründerin und Leiterin der burundikids, wohnte der Zeremonie zusammen mit Vereinspatin und Fotografin Ursula Meissner bei.

Sichtlich stolz zeigte sich Gastgeberin Verena Stamm. In ihrer Rede erklärte sie, dass die Fondation Stamm zwar fast seit ihrer Gründung in Gitega tätig sei und Jugendliche in Berufen ausbildete.

Sichtlich stolz zeigte sich Gastgeberin Verena Stamm. In ihrer Rede erklärte sie, dass die Fondation Stamm zwar fast seit ihrer Gründung in Gitega tätig sei und Jugendliche in Berufen ausbildete. Doch ihr großer Wunsch sei immer eine professionelle Berufsschule gewesen. Zu den bisherigen Berufsausbildungen sollen in Zukunft noch weitere hinzukommen, wie etwa Klempner und Schweißer. Dabei werde aber auf tieferes und professionelleres Wissen wert gelegt. Die Ausbildungen sollen mehrere Jahre dauern und mit einem ordentlichen Diplom abgeschlossen werden – das, woran es bislang fehlt in Gitega und vielerorts in Burundi.

Die Fikentscher Kinderhilfestiftung hatte den Schulbau in Gitega mit 61.000 Euro finanziert und somit erst ermöglicht. Gitega wird mehr und mehr ein wichtiger wirtschaftlicher Standort Burundis, die Stadt vergrößert sich rasend. Es mangelt an professionellen Handwerkern und Infrastruktur, weshalb die Entscheidung gefallen war, die Berufsschule in Gitega zu bauen. Die Bevölkerung begrüßte das Projekt sehr. Ebenso einige vor Ort ansässige Organisationen. So wurden schon Kooperationen gestartet mit dem „SOS-Kinderdorf Gitega“ und einigen kirchlichen Orden, die ihre Jugendlichen in die neue Berufsschule schicken.

Auch burundikids-Gründerin Martina Wziontek zeigte sich sichtlich erfreut über den fertiggestellten Bau und die ersten Jugendlichen, die ihre Zeugnisse entgegen nehmen konnten. Sie hatte die Pläne für den Bau gezeichnet und die Baumaßnahmen begleitet.

Tobenden Applaus erntete Prof. Fikentscher in seiner Ansprache. Darin sicherte er auch für die Zukunft die Kooperation seiner Stiftung mit den burundikids und Fondation Stamm für die Unterstützung der Jugendlichen in Gitega zu. Zum Zertifikat dazu gab es übrigens für jeden Jugendlichen noch ein Shirt des Lieblingsfußballvereins seit Jugendtagen von Prof. Fikentscher: „Münchens große Liebe“…

Tobenden Applaus erntete Prof. Fikentscher in seiner Ansprache. Darin sicherte er auch für die Zukunft die Kooperation seiner Stiftung mit den burundikids und Fondation Stamm für die Unterstützung der Jugendlichen in Gitega zu. Zum Zertifikat dazu gab es übrigens für jeden Jugendlichen noch ein Shirt des Lieblingsfußballvereins seit Jugendtagen von Prof. Fikentscher: „Münchens große Liebe“…

 

 

Allgemeine Info

Gitega ist zweitgrößte Stadt Burundis mit 200.000 Einwohnern und täglich werden es mehr. Der Grund hierfür liegt insbesondere in den Flüchtlingen, die zahlreich aus den Lagern im benachbarten Tansania nach dem langen Krieg in ihre Heimat zurückkehren. Da Gitega im Vergleich zu den weiter östlich liegenden Provinzen wirtschaftlich bessere Perspektiven verspricht, siedeln sich die meisten in der näheren Umgebung der Stadt an. Die logische Folge: hohe Arbeitslosigkeit, Mangel an Schulen, Ausbildung und qualifiziertem Personal.

Dennoch wird in dieser Umgebung sehr viel gebaut. Mehrere Ministerien sind ebenfalls von der Hauptstadt Bujumbura dorthin verlegt worden.

Der Bedarf an Ausbildungen veranlasste burundikids, den Partner vor Ort, Fondation Stamm, und die Wolfgang R. Fikentscher Kinderhilfestiftung, diesem Mangel entgegenzuwirken. Ausschlaggebender Punkt für die Wahl Gitegas als Projektort war die durch das starke Wachstum verursachte Nachfrage nach qualifizierten Arbeitern, insbesondere im Handwerk. Es bestanden demnach große Chancen für die Jugendlichen, nach der Ausbildung im AZG eine Anstellung oder Beschäftigung zu finden.

Ausblick

Es ist vorgesehen, langfristig einen dreijährigen Diplomstudiengang (Diplom A2 = Fachabitur) einzuführen, voraussichtlich im Bereich Hotellerie/Service/Kochen – auf ausdrücklichen Wunsch der Bevölkerung. Wir hoffen außerdem auf eine Folgefinanzierung durch die Kinderhilfestiftung Fikentscher.

Das Grundstück der Schule bietet noch einige freie Fläche. Somit kann das Ausbildungszentrum in Gitega in Zukunft noch erweitert und weitere Ausbildungsgänge mit aufgenommen werden. Damit noch mehr Jugendliche durch Ausbildung die Chance auf eine lebenswerte Zukunft haben.