burundikids e.V.
 
 

Technikerschule ETO in Gitega (AZG Fikentscher)

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Die erste Schülerzeitung der EPCM gibt es hier zum Download!

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Gebäude der Ecole technique de l‘éducation environnementale (ETEE) in Ngozi

ETEE: Schule für Landwirtschaft, Viehzucht und Ressourcenschutz

Bananenplantage

Die „Ecole technique de l‘éducation environnementale“, kurz ETEE, ist eine privat geführte und öffentlich zugängliche Schule mit Internat in der Gemeinde Ruhororo, Provinz Ngozi im Norden Burundis. Träger ist der lokale Partner der burundikids, die Fondation Stamm. Die vierjährige Ausbildung sieht eine Spezialisierung im Ressourcenschutz vor, im Einklang mit Landwirtschaft, Viehzucht und in Verbindung mit allgemeiner ländlicher Entwicklung. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit dem Diplom A2, das vergleichbar mit dem Fachabitur bei uns in Deutschland ist. In der ersten Generation lernen 50 SchülerInnen, die Mehrheit davon Mädchen. Ein LehrerInnenkollegium ist verantwortlich für den Unterricht, dessen offizielles Curriculum sowohl fachspezifische Kurse, als auch allgemeine Kurse wie Sprachen und Naturwissenschaften vorsieht. Die ETEE besuchen auch Jugendliche, die aus sozialen Einrichtungen kommen, z.B. den Straßenkinderheimen.

Regionaler und sozialer Kontext

Die Provinz Ngozi im Norden ist eine der am dichtesten besiedelten in Burundi. In der Kommune Ruhororo leben ca. 80.000 Menschen, die Hälfte ist jünger als 16 Jahre. Die Gemeinde ist nicht an das Stromnetz angeschlossen, es gibt keine einheitliche Versorgung mit Trinkwasser. Die Landwirtschaft funktioniert noch nach alten Mustern und kann die Bevölkerung nicht mehr ausreichend ernähren. Hinzu kommt ein hoher Verbrauch an Ressourcen (bspw. Holz), der Bodenerosion fördert und zur schlechten Ernährungssituation im Norden Burundis beiträgt. Die Wachstumsrate der Bevölkerung beträgt über 3%, folglich wird der Druck auf die natürlichen Ressourcen weiter zunehmen. Verarbeitung der Produkte und damit Steigerung der Wertschöpfung finden aber nur in geringem Maße statt. Die Negativspirale aus Bevölkerungsdruck, Ressourcenknappheit und gesellschaftlichen Spannungen führt zu Nahrungsmittelknappheit.

In ganz Burundi gibt es zu wenige Schulen und qualifizierte Lehrkräfte, insbesondere im Sekundarschulbereich. Im Schnitt gehen aufgrund des Raummangels auf Grundschulniveau (Klasse 1-6) etwa 100 Kinder in eine Klasse. Nur 20% der Grundschulabsolventen können auf eine weiterführende Schule (Klasse 7-13) gehen. Die Nachfrage nach Schulplätzen wächst kohärent mit der Entwicklung des Landes. Qualifizierte Lehrkräfte mussten/müssen aus der Stadt kommen und vorhandene Schulinfrastrukturen waren/sind mangelhaft ausgerüstet. Auch in der post-Konflikt-Phase (ab 2005) entwickelten sich die verschiedenen Regionen nur unzureichend und sehr unterschiedlich.

Wie die ETEE entstand

Vor allem das Angebot an Ausbildungen in moderner Landwirtschaft, Viehzucht und Ressourcenschutz waren in Ruhororo nicht vorhanden. Um dieser Entwicklung zu begegnen, hat unser lokaler Partner Fondation Stamm seit 2007 in Folge immer wiederkehrender Hungersnöte in zwei Kommunen im Norden Burundis – eine davon Ruhororo – und in Kooperation mit der Fondation Arcanum aus der Schweiz eine Landwirtschaftsschule konzipiert und gegründet: Die so genannten CERDA Zentren (Centres pour le Rayonnement du Développement Agricole). In diesen Zentren wurden Fortbildungen für Landwirte und Viehzüchter angeboten. Darüber hinaus wurden die Absolventen nach der Ausbildung auf ihren heimischen Höfen begleitet, um die Umsetzung der neuen Techniken und Methoden sicherzustellen. In einem parallel zur Schule und Ausbildung durchgeführten Projekt wurden und werden genossenschaftliche Strukturen bei den Kleinbauern eingeführt und gestärkt. Durch die dadurch entstehende größere Produktivität und Wirtschaftsleistung, in Kombination mit Selbsthilfegruppen, können die Kleinbauern schließlich langfristig selbst für die Bedürfnisse der Familien aufkommen, wozu auch die Finanzierung der Ausbildung der Jugend zählt.

Im Laufe der Jahre kamen die SchülerInnen aus immer weiter entfernten Regionen, die der guten Reputation der Ausbildung in CERDA folgten. Um die Lernvoraussetzungen der Jugendlichen aus hauptsächlich armen, ländlichen Haushalten zu verbessern – und teilweise erst zu ermöglichen –, wurde ein Internat gebaut und mit Räumen für Mädchen und Jungen ausgestattet. Die Förderung von Mädchen ist ein besonderer Fokus der Projektarbeit in Burundi.

Bananenplantage

Dank der voranschreitenden Entwicklung änderten sich der Bedarf und die Nachfragen der Jugend hin zu fundierten Ausbildungen und Schulabschlüssen. Die Notwendigkeit des Schulbaus in Ruhororo wurde immer dringlicher, um weitere Schulplätze zu schaffen, das Bildungsniveau der Kinder/Jugendlichen anzuheben und eine Berufsvorbereitung der Jugendlichen a) zu erschaffen und b) qualitativ zu verbessern. Zusammen mit den lokalen Behörden wurde aufgrund dieser sich ändernden Nachfrage der Bevölkerung entschieden, das Ausbildungszentrum in Ruhororo, das bisher einen einfachen Abschluss mit Zertifikat angeboten hatte, in eine akkreditierte Schule mit vierjähriger Ausbildung (Klasse 9-13) und dem Abschluss A2 (= vgl. Fachabitur) umzuwandeln. Folglich entstand die Ecole Technique de l’Education Environnementale (ETEE) mit offiziellem Lehrplan: fachspezifische Kurse wie Agroforstwirtschaft, Ökologie, Pflanzenheilkunde, Mikrobiologie, Tierzucht und allgemeine Kurse wie Sprachen, Mathematik, etc. Im ersten Schuljahr 2015/16 hatten sich 50 SchülerInnen (28 davon Mädchen) an der ETEE eingeschrieben. Im darauffolgenden Schuljahr sind es schon doppelt so viele.