burundikids e.V.

Prospekt der Stiftung burundikids Schweiz

stiftung burundikids schweiz: unser Partner beim Bau der Klinik „Centre Medical Hippokrates“. Das Prospekt der Stiftung bekommen Sie hier als PDF.

Sara mit ihrer Mutter
Sara mit ihrer Mutter

Ein Leben ohne „Ubujana“

An für sich kein chirurgisches Hexenwerk, laut der Chirurgen des Deutschen Cleft Kinderhilfe e.V. aus Freiburg: Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, im Volksmund leichtfertig oft „Hasenscharte“ genannt. Für die Betroffenen jedoch ist es häufig das Grauen. Abgesehen von den praktischen Schwierigkeiten im Alltag werden sie oft stigmatisiert. In Burundi, wo die Missbildung „Ubujana“ heißt, kommt noch erschwerend hinzu: viele können sich den Eingriff nicht leisten. Oder es gibt keine Ärzte in der Nähe, die dazu in der Lage sind. Ein Missstand, den die burundikids gemeinsam mit der Deutschen Cleft Kinderhilfe langfristig zu ändern versuchen.

Anfang bis Mitte Februar war ein Expertenteam der Deutschen Cleft Kinderhilfe zwei Wochen lang in Bujumbura. Im Krankenhaus „Centre Médical Hippocrate“ (CMH) des Partners vor Ort, Fondation Stamm, operierten sie junge und erwachsene Patienten und verhalfen ihnen zurück zu einem normalen Alltagsleben.

Dr. Lyse Rama macht es vor - richtig waschen vor der OP
Dr. Lyse Rama macht es vor - richtig waschen vor der OP

Zu Beginn lernte das deutsch-ugandisch-ruandische Ärzteteam unter Leitung von Dr. Dr. Oliver Blume die burundischen Kollegen kennen, inspizierte das CMH und besprach die Vorgehensweise der kommenden Tage. Schließlich wollten die Chirurgen nicht nur für die Operationen kommen. Langfristigkeit spielt eine wesentliche Rolle im Engagement der Deutschen Cleft Kinderhilfe, weshalb man sich für eine Kooperation mit den burundikids entschied. Die burundischen Ärzte sollten bei den OPs für den Wissenstransfer dabei sein. Es schlossen sich seitens der Fondation Stamm Dr. Lyse Rama und Dr. Bonaventure Hwehure, seines Zeichens auch Technischer Direktor an der Schule EPCM, an. Die burundischen Kollegen mussten außerdem als Dolmetscher herhalten: die meisten LKG-Patienten sprachen ausschließlich die Landessprache Kirundi.

Divine - mit dem Ärzteteam bei der Vorbesprechung ihrer OP
Divine - mit dem Ärzteteam bei der Vorbesprechung ihrer OP

Für jeden Patienten nahmen sich die Ärzte ausreichend Zeit. In der Regel bereiten sich die Ärzte 30 Minuten lang vor, gefolgt von 30 Minuten Anästhesie und schließlich eineinhalb Stunden für die eigentliche OP. Später wird noch einmal nachgeschaut, ob alles gut verheilt.

Aus vielen Teilen des Landes sind die Hilfesuchenden zum CMH gekommen, in der Hoffnung auf eine Operation: aus der Hauptstadt Bujumbura und ihrem ländlichen Umfeld, aus Ngozi im Norden und Rumonge im Süden, jeweils drei oder mehr Stunden mit dem Bus entfernt. Eine Patientin, die kleine Sara, kam sogar aus dem benachbarten Tansania bis nach Bujumbura. Insgesamt konnten 20 Patienten vom Baby- bis Erwachsenenalter operiert werden. Die jüngsten Patienten waren eineinhalb und acht Monate alt, die älteste 57 Jahre. Alle haben nun ein besseres Leben vor sich, das im burundischen Alltag für die meisten ohnehin hart genug ist.

Besonderes Sorgenkind war der 15-jährige Willy. Der Junge hatte eine Zyste im Nasen-Mund-Bereich, die ihm die Atmung erschwerte. Dr. Dr. Oliver Blume und Dr. Gunther Au-Balbach von der Deutschen Cleft Kinderhilfe zeigten, dass sie wahre Spezialisten der Gesichtschirurgie sind und entfernten die Zyste in einer delikaten OP. Benjamin, Willys Vater, war außer sich vor Freude: „Seit Monaten hatte ich vergebens einen Arzt für meinen Sohn gesucht. Niemand konnte uns helfen!“ In ganz Burundi gäbe es bis heute keinen Arzt, der eine solche OP vornehmen könne, wurde ihnen mehrmals gesagt. Als sie dann schließlich doch einen Arzt in der Hauptstadt ausfindig machen konnten, war die OP für die arme Bauernfamilie unerschwinglich: 250 Euro. Benjamin wollte schon einen Teil der Familienparzelle verkaufen, die einzige Einnahmequelle der Familie. Es wäre ihr Ruin gewesen. Doch dann hörte er im Radio von den Chirurgen im CMH und machte sich mit seinem Sohn auf den Weg aus den Bergen hinunter in die Stadt.

Sohn Willy strahlt nach der Operation. Er kann nun wieder wie ein normaler Junge zur Schule gehen.

Pressemittelung des Deutschen Cleft Kinderhilfe e.V. und burundikids e.V. vom 27.02.2015 als PDF