burundikids e.V.

„Zeichnen und Malen: meine Begabung, mein Schicksal“

Krokodil ©Jean des Arts

Für Jean des Arts, geboren 1991 als Jean de Dieu, war die Kunst schon in jungen Jahren ein Ausweg, Erlebtes zu verarbeiten, sein Schicksal in Zeichnungen und Malerei auszudrücken und zu bewältigen. Jetzt ist er offizielles Mitglied des „Kunstvereins ART Baden-Baden“ geworden. Einige seiner Bilder sind zur Zeit über den Kunstverein zu ersteigern.

Für Jean des Arts, geboren 1991 als Jean de Dieu, war die Kunst schon in jungen Jahren ein Ausweg, Erlebtes zu verarbeiten, sein Schicksal in Zeichnungen und Malerei auszudrücken und zu bewältigen. Jetzt ist er offizielles Mitglied des „Kunstvereins ART Baden-Baden“ geworden. Einige seiner Bilder sind zur Zeit über den Kunstverein zu ersteigern.

Der heute 23-Jährige ist in Kamenge, einem armen Viertel der Hauptstadt, geboren. Er hat drei Geschwister, alle von unterschiedlichen Vätern. Seinen Vater kannte Jean de Dieu nie. Die Mutter, eine arme Bäuerin, wohnte in Ngozi, im ländlichen Norden des Landes. Sie hatte nie genug Geld, ihre Kinder allein großzuziehen. Deswegen war Jean de Dieu schon im sehr jungen Alter gezwungen, weit weg von der Mutter bei Mitgliedern der Familie zu leben.

Wasserstelle ©Jean des Arts

Dort hat man ihn jedoch eines Tages des Hauses verwiesen. Seine Onkel waren der Meinung, er müsse sich wie einen Mann benehmen und sei alt genug. Der Grund für dieses Verhalten lag wohl am Krieg und der sich zunehmend verschlechternden finanziellen Lage der Familien. Gefangen von Frust und Aussichtslosigkeit entschied sich Jean de Dieu, in eine der damals zahlreichen Rebellengruppen einzutreten. Zwei Jahre lang, von 2002 bis 2004, war er Kindersoldat, lebte mit Rebellen in den Wäldern Burundis. Es fällt ihm bis heute schwer, über seine Erlebnisse zu sprechen.

Doch eines Tages entschied sich Jean de Dieu, seinem Leben fernab von Gewalt und Waffen eine zweite Chance zu geben. Er schloss sich einer kleinen Gruppe an, die benachteiligten Kindern und Opfern des Kriegs half. Dank dieser Gruppe lernte er eines Tages Verena Stamm kennen, die seit den 70er Jahren in Burundi lebt und während des Bürgerkriegs ihre lokale Hilfsorganisation, die Fondation Stamm, gegründet hatte – der exklusive Partner der burundikids in Deutschland. Es war seine Chance, wieder zur Schule zu gehen.

Flut ©Jean des Arts

Heute ist er in der 11. Klasse eines Gymnasiums. Neben der Übernahme der Schulkosten fördert burundikids e.V. die Talente von Jean de Dieu. Der junge Mann ist Mitglied eines Vereins, der sich auf Kurzfilme spezialisiert hat. Seine große Leidenschaft liegt aber im Zeichnen und Malen. Mehr und mehr Menschen werden auf die Werke Jean de Dieus aufmerksam. Er hat sogar einen Künstlernamen: Jean des Arts („Johannes der Künste“).

Die neuesten Werke von Jean des Arts sind Gemälde, die er zusammen mit anderen Jungen im Heim „Birashoboka“ angefertigt hat. Seine Leidenschaft für die Malerei steckt andere an. Seine Kumpels beobachteten, wie Jean de Dieu seine Gemälde stufenweise anfertigt. Sein Thema für diese Werke war: Wasser, in all seinen Aspekten). Darüber hinaus ist Jean de Dieu ein Vorbild für die anderen Straßenkinder im „Birashoboka“. Trotz seines langen Leidenswegs hat er sein Leben heute im Griff und ist auf einem guten Weg.

Jean de Dieu ist sich sicher: die zweite Chance in seinem Leben verdankt er seiner Begabung fürs Zeichnen und Malen. Und seinem Willen. Und natürlich den Menschen, die ihm aus der Misere der Straße geholfen haben. Nach seinem Abitur möchte er gerne an einer Universität studieren. Sein größter Traum aber ist: seine eigene kleine Galerie und der Verkauf seiner Werke: „Die Kunst ist nicht nur meine Begabung, sondern mein Schicksal“.