burundikids e.V.

Jean-Marie

Einfach nur Glück gehabt

Jean-Marie hebt den Kopf ein wenig und lächelt. Er kann es wieder. Sie haben ihn wieder hinbekommen. Seine Geschichte ist wohl leider nur beispielhaft für die vieler Kinder und Jugendlicher im heutigen Burundi, das seit April 2015 politische Unruhen durchleben muss. Aber der Reihe nach.

Jean-Marie ist ein kräftiger, 15-jähriger Junge. In Buterere wohnte er, einem der ärmsten Viertel der Hauptstadt Bujumbura, zusammen mit seinem jüngeren Bruder und seiner Mutter. Seinen Vater kannte er noch nie. Aufgrund eines schweren Schicksalsschlags, der die Familie traf, konnte Jean-Marie nur die erste und zweite Klasse der Grundschule besuchen. Denn als er in die dritte Klasse eingeschult werden sollte, starb unerwartet die Mutter der beiden Jungen. Sie verloren ihr Dach über dem Kopf und lebten fortan auf der Straße. Kurze Zeit später erbarmte sich eine alte Freundin der Mutter, „Maman Jonathan“, und nahm Jean-Maries kleinen Bruder bei sich auf. Doch für beide Jungen reichte auch ihr mageres Einkommen nicht. Jean-Marie schlug sich alleine durch. Ende September war Jean-Marie auf der Straße in einem Stadtviertel unterwegs, das seit den politischen Unruhen als „oppositionell“ eingestuft wird. Das Schicksal trifft ihn - in Form einer Gewehrkugel. Eine „balle perdue“, wie es heißt, ein Querschläger. Dann erinnert sich Jean-Marie an nichts mehr. Erst wieder daran, wie er in einem von Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans frontières/MSF) aufgebauten Gesundheitszentrum wieder zu sich kam. Die Kugel hatte ihn am Kopf verletzt. Seine gesamte linke Körperhälfte spürte er nicht. Er war erblindet und konnte auch nicht sprechen. Die Ärzte operierten ihn. Erfolgreich.

Jean-Marie konnte sein Glück kaum fassen, als er wieder etwas sehen und sogar sprechen konnte. Viele Stunden Krankengymnastik folgten, die auch seine linke Körperhälfte Stück für Stück reaktivierte. MSF, die auf Notfälle spezialisiert sind, sich aber nicht bis zur Genesung um die behandelten Menschen kümmern können, kontaktierten die Fondation Stamm, den lokalen Partner der burundikids, und baten um die Übernahme des Jungen. Die MSF und Fondation Stamm verbindet eine jahrelange Kooperation, schon zu Zeiten des Bürgerkriegs, der 2005 offiziell endete.

Jean-Marie kam ins „Centre Médical Hippocrate“ (CMH) nach Kajaga, das Krankenhaus der Fondation Stamm, um sich vollständig regenerieren zu können. In langen Spaziergängen am Strand des Tanganyikasees baut er seine Beinmuskulatur wieder auf. Das sagt er. Aber wahrscheinlich hilft ihm die Zeit allein auch dabei, das Geschehene zu verarbeiten. Im CMH selbst will er sich nützlich machen und geht dem Personal zur Hand, wo er kann. Seine Wäsche kann er bereits wieder selbst waschen, sagt er stolz.

Sobald er sich stark genug fühlt, wird er voraussichtlich noch im Februar in das Heim für Straßenkinder „Birashoboka“, das unweit des Krankenhauses liegt, einziehen. Die Kollegen dort überlegen bereits, wie Jean-Maries Zukunft aussehen könnte. Das werden sie dann mit ihm besprechen, wenn er ankommt.

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