burundikids e.V.

Integration geglückt

Geglückte Integration: Bosco und Reverien backen Chappati.
Bosco und Reverien backen Chappati

Viele von Ihnen haben die Reintegrationsprojekte des Partners vor Ort, Fondation Stamm, unterstützt, indem Sie dem Weihnachtsspendenaufruf der vier Volontäre 08/09 gefolgt sind.

Damals kamen über 2.000 Euro zusammen, die hauptsächlich für die Reintegration der älteren Jungen aus dem Straßenkinderprojekt in Bujumbura verwendet wurden. Auf diesem Wege möchten wir Ihnen für Ihre Unterstützung danken und Ihnen einen kleinen Einblick in die Reintegrationsarbeit geben.

An den folgenden Beispielen dreier ehemaliger Jungen aus dem Straßenkinderheim können Sie verfolgen, wie solch eine Reintegration im Einzelnen aussieht.

Mit der Reintegration der Kinder und Jugendlichen aus den Heimen in ein soziales Umfeld außerhalb der Heime werden die jungen Männer und Frauen in die Selbstständigkeit entlassen. Sie kehren, wenn möglich, zu ihren Familien zurück oder werden von der Fondation Stamm bei der Suche nach einer Arbeit unterstützt.

Dazu wird eine finanzielle Basis benötigt, denn die Kinder und Jugendlichen sollen nicht in die Misere zurückkehren: Werden sie von ihrer Familie aufgenommen, wird dieser geholfen, ein lebenswürdiges Umfeld für das Kind zu schaffen und sie erhält Nahrungsrationen. Können die Reintegrationskandidaten nicht von ihrer Familie aufgenommen werden und wollen beispielsweise einen kleinen Handel eröffnen, hilft die Fondation, indem sie ein Startkapital und eine Begleitperson zur Verfügung stellt.

Von Baustellen und Köchen

Bosco und Reverien sind zwei junge Männer Anfang 20 aus dem Straßenjungenprojekt. Sie haben die Schule abgebrochen und die Zeit im Heim verging für sie, da sie ohne Beschäftigung waren, eher schleppend. Sie hatten keine Motivation. Doch nach vielen Gesprächen mit Heimleitern und Psychologen wurde ihnen langsam klar, dass sie selbst die Initiative ergreifen müssen, wenn sie etwas aus ihrem Leben machen wollen, die Dinge selbst in die Hand nehmen und sich auf die Suche nach einer Arbeit machen.

Sie beschlossen also, sich zusammen zu tun und gemeinsam ein Projekt zu starten: Mit dem Reintegrationsgeld mieteten sie nahe dem Straßenkinderheim ein kleines Zimmer in einem Lehmhäuschen. Dort wohnen sie jetzt. Außerdem kauften sie ein Fahrrad, einen kleinen Herd, eine Pfanne, Öl, Mehl, Kartoffeln, Eier und Zucker und begannen zu produzieren: eine Art Crêpes, die in Burundi Chapatti heißen, Sambussa, das sind mit Kartoffeln gefüllte Teigtaschen, und Quarkbällchen, Baignets genannt. Dies alles verkaufen sie dann auf dem Markt, in den Bars und auf Baustellen Bujumburas, der Hauptstadt. Mittlerweile läuft das Geschäft so gut, dass sie sich einen dritten Mann ins Boot holen konnten, der für den Verkauf zuständig ist. Die beiden kümmern sich nun hauptsächlich um den Einkauf und die Produktion. Bei meinem Besuch erzählten sie mir, dass sie jeden Tag umgerechnet ca. 2,90 Euro verdienen. Das reicht, um ein wenig zurückzulegen und sich das Zimmer leisten zu können.

Ein viel versprechender Start, der den beiden Jungs hoffentlich zeigt, dass sie es auf eigenen Beinen durchs Leben schaffen können.

Geglückte Integration: David in seinem Friseursalon.
David in seinem Friseursalon

Von Friseuren und Fußballern

David ist ein kräftiger junger Mann, dem man seine jahrelange Übung in der Trommlergruppe des Straßenkinderheims an seinen muskulösen Armen ansieht. Man würde in ihm eher einen Fußballer vermuten, als einen Friseur. Aber genau das ist er: Friseur. Das Geld, das ihm durch die Reintegration zur Verfügung stand, nutze er, um sich einen kleinen Friseurladen einzurichten. Seine Ausbildung dazu erwarb er bereits in einem Berufsbildungsprojekt, das die Fondation vor einigen Jahren durchführte. Nun war es ihm auch endlich möglich, seine Fähigkeiten zu testen. Gemeinsam mit einem Freund frisiert er nun Männer, für 15-18 Cent pro Schnitt. Was dabei auf keinen Fall fehlen darf, sind, natürlich, eine Rasiermaschine und Pflegemittel. Viel Wert wird aber auch gelegt auf Poster von Stars wie Jackie Chan oder Britney Spears und, zur Unterhaltung, ein Radio. David und sein Freund verdienen bis zu 1,80 Euro am Tag, Geld, mit dem David auch seinen Onkel unterstützen kann, bei dem er ein Zimmer gemietet hat.

Für die burundikids-Freiwilligen 2008/09 (Anna, Claire, Johanna und Cornelius)

Anna Schulz