burundikids e.V.

Kindersoldat Safari

Der 15-jährige ehemaloge Kindersoldat Safari
Der 15-jährige Safari Hakizimana.

„Birashoboka“ steht auf einem Schild am Eingang des Heimes inmitten von Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi. „Birashoboka“ ist Kirundi (die Landessprache) und bedeutet so viel wie „Alles ist möglich“. Und genau das sollen die rund 80 Bewohner des Heimes, die bislang ein trostloses Dasein führten, hier erfahren.

Alle Jungen, die hier leben, waren Straßenkinder. Viele haben ihre Eltern durch den Bürgerkrieg verloren, der 1993 in Burundi ausbrach und der Hunderttausende Menschen zur Flucht zwang. Eine Schule haben die meisten nie besucht. Das können sie in dem Heim für Straßenkinder nun nachholen.

Der 15-jährige Safari Hakizimana kam 2006 in das Heim. Er war vier Jahre alt, als er im Chaos des Krieges von seiner Familie getrennt wurde. „Überall auf den Straßen von Bujumbura rannten die Menschen“, erinnert er sich an den Tag. Er wurde einfach mitgerissen und gelang mit dem Flüchtlingsstrom zunächst in das Nachbarland Kongo und von dort in den Sudan. „Hier war ich viele Jahre in einem Kinderzentrum und habe die Schule besucht.“ Doch dann wurde das Heim geschlossen und Safari stand auf der Straße. In seiner Not meldete er sich freiwillig bei der Armee und wurde Kindersoldat - einer von rund 300.000 auf der Welt, die meisten von ihnen kämpfen in Afrika. „Ich hatte gehört, dass viele Kindersoldaten entwaffnet und zurück zu ihren Familien geschickt werden“, erklärt er seinen Entschluss. Doch seine Rechnung ging nicht auf: Zwei Jahre lang musste er mit zahlreichen anderen Jungen und Mädchen kämpfen, bewaffnet mit einer Kalaschnikow und einem Messer.

Safari erlebte alle schrecklichen Seiten des Krieges: Er sah Freunde sterben, wurde angeschossen und erlitt schwere Verletzungen. Beständiger Hunger und qualvoller Durst führten dazu, dass er seine Waffen auch einsetzte. „Wenn man drei Wochen in der Wüste ist und kaum etwas zu trinken hat, dann tötet man für einen Schluck Wasser“, erzählt er leise. Wenn der 15-Jährige von seiner Zeit als Kindersoldat erzählt, wechselt er oft in den Beobachterrolle. Safari spricht dann mit maskenhaftem Gesichtsausdruck: „Einmal waren die Kindersoldaten im Dschungel und hatten seit vielen Tagen nichts gegessen. Also beschlossen sie, ein Dorf zu überfallen.“ Dort stürmten sie eine der Hütten und raubten das jüngste Kind der Familie. „Sie haben getötet und gegessen.“

Mit Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes kam der Junge schließlich zurück nach Burundi. Im Straßenkinderheim „Birashoboka“, das von der Deutschen Verena Stamm gegründet wurde und unter anderem von dem Verein „Burundikids“ finanziert wird, fand der traumatisierte Junge ein neues Zuhause. Hier kümmert man sich um ihn und die anderen Jungen, hilft ihnen, eine neue Perspektive für ihr Leben zu finden. Während die einen nun endlich Lesen und Schreiben lernen, können andere eine Berufsausbildung machen. Safari lernt zurzeit das Friseurhandwerk, aber am liebsten möchte er studieren und einen sozialen Beruf wie Lehrer oder Erzieher ergreifen. Trotz intensiver Suche blieben seine Eltern bisher verschwunden. „Und ich habe auch keine Hoffnung mehr, jemanden aus meiner Familie zu finden“, sagt er traurig. Wenn die Erinnerungen an den Krieg und die Sehnsucht nach der Geborgenheit einer Familie ihn quälen, dann redet er mit seinem Lehrer. Oder er betet. „Mein Glaube gab mir vor allem während meiner Zeit als Kindersoldat Kraft und Hoffnung“; sagt er.

Das Leben in Burundi ist nicht einfach. Fast 60 Prozent der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze, das Land zählt zu den ärmsten Staaten der Welt. Die Kinder, die in dem Heim „Birashoboka“ untergekommen sind, haben Glück im Unglück. „Alles ist möglich“ lautet die Devise – und dass dies keine leeren Worte sind, sieht man an Jungen wie Safari. Mit Hilfe der Stiftung von Verena Stamm wird er seinen Weg machen. „Alles, was ich will, ist eine Zukunft“, sagt er. „Eine gute Ausbildung und die Chance, eine sinnvolle Arbeit zu tun“.

Heike Nickel