burundikids e.V.

Jahresbericht 2010 burundikids e.V. – Zukunft für Kinder in Afrika

Die burundikids konnten in 2010 knapp 223.392 Euro Spenden einnehmen. Detaillierte Informationen zu den einzelnen Spendeneinnahmen und Projektausgaben sind der Tabelle unten zu entnehmen – denn Transparenz hat bei den burundikids Priorität.

Die Weltwirtschafts- und Finanzkrise der vergangenen Jahre hatte weiterhin auch Folgen für die soziale Arbeit und das Spendenverhalten. In Burundi waren außerdem weitere Preissteigerungen zu verzeichnen, insbesondere beim Kraftstoff. Dies führt zwangsweise zu einer Preissteigerung in allen weiteren Bereichen wie Lebensmittel, Transport, Baumaterial, etc. Dennoch konnten die Projekte und Einrichtungen der burundikids wieder vollständig finanziert werden, wenn auch zwischenzeitlich mit einigen Engpässen aufgrund der o.g. Aspekte.

Die Projekte im Einzelnen:

Ausbildungszentrum „Fikentscher“ (AZG, Gitega)

Im AZG lernt mittlerweile die dritte Generation von Auszubildenden. Viele der vorangegangenen Azubis fanden eine Arbeit, nicht zuletzt durch die Vermittlung unseres Personals der Schule.

Eine weitere Kooperation ergab sich mit der Organisation Terre des hommes (Tdh), die insbesondere auf Justizebene in Burundi interveniert. Tdh verhilft Jugendlichen in Gefängnissen (geringe Straftaten wie Diebstahl) zu einem fairen Prozess und löst sie aus dem Gefängnis. Bezüglich der folgenden Reintegration dieser Jugendlichen ist Tdh eine Partnerschaft mit der Fondation Stamm eingegangen. Zehn Jugendliche wurden zu einer Ausbildung ans AZG vermittelt, wo sie Elektrik oder Klempner lernen. Außerdem wohnen sie im Heim der Fondation Stamm nahe der Schule.

Über den Partner Christliches Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) und den Senior Expert Service Bonn (SES) wurde ein Experte für Sanitärinstallation für drei Monate ans AZG entsandt. Ziel war es, die administrativen Abläufe und insbesondere die Sanitärausbildung weiter zu professionalisieren. Ein Folgeeinsatz des Experten muss nun diskutiert werden, ist aber in der Tat möglich und auch notwendig.

Die Deutsche Botschaft beteiligte sich ebenfalls an dem Ausbildungsprogramm des AZG und finanzierte eine Maschine für die Schweißerausbildung, sowie Materialien zur Herstellung von Produkten wie Fenster und Türen, Gepäckträger für Fahrräder, etc.

Mit dem Partner Kinderhilfestiftung Fikentscher laufen Verhandlungen über den Bau eines weiteren Schulgebäudes auf demselben Grundstück.

 

Schule „Ecole Polyvalente Carolus Magnus“ (EPCM, Bujumbura)

In der EPCM lernen im Schuljahr 2010/11 mittlerweile 900 Kinder und Jugendliche in den Bereichen Kindergarten, Grundschule, Oberstufe und technischer Ausbildung. Zusätzlich zur PTA (pharmazeutisch-technischer Assistent) kam die Ausbildung von Krankenpflegern hinzu (ebenfalls Diplom A2 = Fachabitur). Die PTA zählt mittlerweile drei Klassen, wovon die erste Generation im kommenden Jahr ihren Abschluss absolvieren wird – die ersten vollständig ausgebildeten PTA in Burundi.

Zur Unterstützung im Primarschulbereich hat die EPCM für dieses Schuljahr Unterstützung bekommen von einer französischen Lehrerin. Als „Directrice pédagogique“ arbeitet sie daran mit, die administrativen Strukturen effektiver zu gestalten, und u.a. auch im didaktischen Bereich die Lehre weiter zu professionalisieren.

Das zweite Gebäude wurde im Obergeschoss weiter ausgebaut. Vom Partner der Stiftung Hauck aus Heidelberg kam Ende des Jahres die Zusage, die notwendigen Mittel zur Fertigstellung des Obergeschosses zur Verfügung zu stellen. Für 2011/12 sollen außerdem neue Mittel gefunden werden, um den dritten Gebäudeabschnitt zwischen den beiden ersten Gebäuden bauen zu können. Die Stiftung „Ein Herz für Kinder“ hat bereits einen Teilbetrag zugesagt. Diese Mittel werden jedoch erst freigegeben, wenn die Gesamtfinanzierung des Baus gesichert ist.

 

Klinik „Centre Médical Hippocrate“

Das Krankenhaus „Centre Hippocrate“ wurde mit dem Partner burundikids Schweiz gebaut und ist teilweise in Betrieb. Es arbeiten dort zwei Ärztinnen, zwei Krankenschwestern, eine Hilfskrankenschwester, ein Laborant und ein Apotheker. Erwartet wird noch die Inspektion durch das Gesundheitsministerium, sodass das Krankenhaus offiziell eingeweiht werden kann – und auch die Patientenzimmer zur stationären Aufnahme genutzt werden können. Für diese hat das Städt. Klinikum Karlsruhe 18 Krankenhausbetten mit Beistelltischen zur Verfügung gestellt, die per Schiffscontainer nach Burundi transportiert wurden (mit Unterstützung der GIZ – Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit).

Die Beziehungen zum Städt. Klinikum Karlsruhe sollen weiter ausgebaut werden, insbesondere im Bereich der Aus- und Fortbildung in Kooperation mit der Pflegeschule Karlsruhe. Ende des Jahres sind außerdem zwei Krankenschwestern des Klinikums (darunter auch Monique Urlacher, Mitglied der AG burundikids Karlsruhe, s.u.) nach Burundi gekommen, um im „Centre Hippocrate“ zwei Monate lang mitzuarbeiten. Eine weitere Krankenschwester der Uniklinik Mainz arbeitet – in Kooperation mit dem Partner Human Help Network e.V. (HHN) – für ein ganzes Jahr ebenfalls am „Hippocrate“ und in der Ausbildung der Pflegefachkräfte mit. Anfang des neuen Jahres soll ein Container mit weiterer Ausstattung für das Krankenhaus in Burundi eintreffen.

 

Straßenkinder „Centre Birashoboka“ (Bujumbura)

Das Straßenkinderheim zählte zum Jahresende 80 Kinder. Die Reduzierung der Anzahl im Vergleich zum Vorjahr ist zurückzuführen auf mehrere Reintegrationen, die im Laufe des Jahres umgesetzt werden konnten. Einige Jungen wurden in Familien zurückgeführt, eine größere Anzahl in die Kinderheime im Landesinnern verlegt (in die Provinzen, aus denen sie kommen, um der tatsächlichen Reintegration ein Stück näher zu kommen). Eine kleine Gruppe von 16 Jugendlichen ist in ein kleines Haus umgezogen. Dieses Haus ist angemietet und die Jungen werden mit Schulmaterial, Essensrationen und täglichem Bedarf versorgt – jedoch bedeutet der Umzug einen ersten Schritt in die Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Das Häuschen befindet sich in der Nähe der Schule EPCM (s.o.), sodass die Jungen dorthin zu Fuß gehen können, wo sie die PTA- oder Pflegefachkraftausbildung absolvieren.

burundikids e.V. finanzierte das Straßenkinderheim vollständig – die laufenden Kosten, die Ernährung und den täglichen Bedarf der Kinder, das Schulgeld und die Reintegration von Jugendlichen.

 

Désiré

Désiré, ein Junge aus dem Straßenkinderheim, wurde 2010 nach Deutschland geschickt, um sein Bein behandeln zu lassen. Er hatte schon zu Kriegszeiten eine Schussverletzung erlitten, die nicht ausheilte. In Burundi drohte ihm, aufgrund der fehlenden Behandlungsmöglichkeiten, die Amputation des Beines. Nach Rücksprache mit dem Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal wurde Désiré dorthin gebracht und mehrere Monate behandelt. Ende des Jahres kam er zurück nach Burundi, wo er nun weiterhin im Kinderheim wohnt. Désiré besucht außerdem die Schule EPCM (s.o.).

 

Waisenkinder „Centre Uranderera“ (Bujumbura)

Das Waisenhaus wurde 2010 von burundikids vollständig finanziert. Außerdem haben Mitglieder der Arbeitsgruppen – insbesondere der AG Köln – fast monatlich Pakete mit Hilfslieferungen (Medikamente und Kleidung) nach Burundi geschickt, die den Kindern und Jugendlichen zugutekamen. Das Heim musste erneut umziehen, da der Vermieter seine Immobilie für den Eigenbedarf zurückforderte. Das Heim befindet sich nun seit August 2010 im Viertel Mutakura, im Norden der Hauptstadt Bujumbura. 35 Kinder leben dort, Jungen und Mädchen gemischt, darunter auch Babys und ein behindertes Mädchen. Nicht weit davon entfernt befindet sich der Kindergarten im Viertel Buterere (s.u.).

 

Rose

Rose, aus dem Waisenheim „Uranderera“, war mit Unterstützung vieler Helfer zur medizinischen Behandlung nach Deutschland gekommen (s. Jahresbericht 2009). Im Juli 2010 jedoch erlag sie einer plötzlich auftretenden Infektion, die wohl auf ihre lange Krankheitsphase zurück zu führen war. Ihr Tod war schockierend für Kinder, Freunde und Kollegen in Burundi und Deutschland. An ihrer Beerdigungszeremonie in Bujumbura nahm auch der befreundete Priester Alphonse Ndabiseruye teil, der Rose seit mehreren Jahren kannte und bis heute ebenfalls mit Freiburg in enger Verbindung steht.

Aus den Spendenaufrufen für Rose sind noch Mittel übrig geblieben. Ursprünglich waren diese für weitere Medikamente für Rose gedacht. Nach ihrem Tod sind diese Mittel für die Finanzierung des Waisenhauses verwendet worden. Außerdem soll ein Betrag als Sparbuch angelegt werden, auf das Roses jüngere Schwester Claudine quasi als Erbe nach ihrer Ausbildung zugreifen können wird. Claudine lebt weiterhin im Waisenhaus und geht mittlerweile in die Sekundarstufe.

 

Mutter-Kind-Heim „Centre Nyubahiriza“ (Bujumbura)

Weiterhin unterstützte burundikids e.V. das Mütterheim vollständig finanziell und mit Sachspenden. 25 Plätze bietet das Heim, die jederzeit vollständig belegt sind. Wieder sind Mädchen reintegriert worden, andere Hilfesuchenden nahmen ihren Platz im Heim ein, u.a. ein 15-jähriges schwangeres Mädchen, das der Straßenprostitution entfliehen wollte. Sie lebt im Heim und hat mittlerweile ihr Kind zur Welt gebracht.

Einige Mittel konnten dieses Jahr erstmals über die Internetplattform „betterplace“ gewonnen werden.

Adèle, eine junge Mutter des Heims, schloss ihre Schulausbildung mit dem A2-Diplom ab (Fachhochschulreife). Von Oktober bis Dezember absolvierte sie ein Praktikum im Büro der Fondation Stamm. Ab dem 1. Januar 2011 ist sie fest angestellt und wird sich um die Buchhaltung im Krankenhaus „Hippocrate“ (s.o.) kümmern. Vorerst wird Adèle im Heim wohnen bleiben, bis sie in der Lage ist, sich und ihre Tochter Sania (die den Kindergarten der EPCM, s.o., besucht) selbständig zu finanzieren.

 

Kindertagesstätte mit Mikrokreditprojekt „Centre Duhinduke“ (Bujumbura)

Die Kindertagesstätte mit Mikrokreditprojekt in Buterere wurde vollständig finanziert. Der Kindergarten ist weiterhin ausgebucht mit zwei Gruppen vor- und nachmittags. Das Projekt findet guten Anklang und ist im Viertel gut integriert. In diesem Jahr sollen die Aktivitäten hier mehr ausgebaut werden.

 

Freiwilligenentsendung

Ehemalige Freiwillige kamen in ihren Semesterferien zurück, um erneut vor Ort in den Projekten mitzuarbeiten.

Aufgrund der Präsidentschaftswahlen in 2010 in Burundi verhängten Botschaft und Auswärtiges Amt einen Stopp für Entsendungen von Freiwilligen. Das „weltwärts“-Programm des BMZ wurde demnach ausgesetzt.

Im November reiste jedoch ein Doktorand in Psychologie der Universität Konstanz nach Burundi, um ein Jahr in den Projekten der Fondation Stamm mitzuarbeiten. In erster Linie konzentriert er sich dabei auf das Straßenkinderheim. Neben seiner Mitarbeit im Projekt dient der einjährige Aufenthalt der Studie und Recherche für eine Doktorthese.

Philipp Ziser, der drei Jahre ehrenamtlich in den Projekten mitgearbeitet hatte und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für burundikids e.V. und Fondation Stamm aufbaute, beendete im Februar 2010 seinen Freiwilligendienst. Aufgrund der Erfolge durch seine Arbeit fiel die Entscheidung, ihn ab 1. März 2010 als ersten Hauptamtlichen bei burundikids und ersten festen ausländischen Mitarbeiter in den Projekten der Fondation Stamm anzustellen.

 

Arbeitsgruppen (Karlsruhe und Köln), Schulen (bundesweit)

Die Arbeitsgruppen Karlsruhe und Köln waren weiter für den Verein aktiv. Das Netz konnte außerdem weiter ausgebaut und weitere Spender gewonnen werden – darunter auch neue Firmen und Vereine. Auch die aktiven Mitglieder, insbesondere in Karlsruhe, und freiwilligen Helfer werden mehr.

 

Eigenes Büro und interne Angelegenheiten

Im März entschied sich der burundikids-Vorstand dazu ein kleines Büro im Kölner Kunibertsviertel anzumieten. In den Jahren zuvor, von 2003 (Vereinsgründung) bis 2010, erledigte Vorsitzende Martina Wziontek alle burundikids-Angelegenheiten vom heimischen Computer aus. Aufgrund der gewachsenen Projekte und Mehrarbeit für die Hilfsorganisation – und dem dadurch steigenden Bedarf an freiwilligen Helfern – war die Zeit gekommen, ein eigenes Büro für den Verein anzumieten.

Das Büro ist fast täglich besetzt und wird von den Helfern als Zentrale genutzt, auch zur Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Es kommen öfter Menschen herein, die durch die Auslagen im Fenster neugierig geworden sind und mehr über Burundi und die Arbeit von burundikids erfahren möchten. Eine strukturierte Aufgabenverteilung ist nun möglich und die Arbeit kann seitdem noch effizienter und professioneller gestaltet werden.

Die Miete, aber vor allem die Renovierung und die Einrichtung des Büros haben die Verwaltungskosten in diesem Jahr natürlich erhöht.

Studenten der Universität Heidelberg haben zugunsten burundikids e.V. mehrere Strategiepläne für eine noch effizientere Öffentlichkeitsarbeit entwickelt und diese kostenlos dem Verein zur Verfügung gestellt. Die darin vorgeschlagenen Maßnahmen werden nun Stück für Stück umgesetzt. Ein Punkt, ein professionelles Intranet, wurde bereits umgesetzt und ist in Funktion.

 

Medien

Über burundikids e.V. wurde erneut viel in Print, Hörfunk, TV und online berichtet (mehr auf unserer Presse-Seite). Philipp berichtete wieder ganzjährig auf seinem Blog (www.pziser.wordpress.com) über das Alltagsgeschehen in Burundi. Die Dokumentation „Die Kinder von Burundi“, gedreht 2009 von einem Kamerateam aus Österreich, wurde fertig gestellt und erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Auszeichnungen

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat am 1. Dezember 2010 den Sonderpreis „NGO Webseite 2010“ an burundikids verliehen. Die Auszeichnung steht u.a. für Transparenz, Aktualität und „Anregung zum Mitmachen“.

 

Dank

Transparenz ist Teil unserer Arbeit, worauf wir sehr viel Wert legen. Ein wichtiges Medium hierfür sind unsere Internetseiten. 2010 wurden diese vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in Berlin ausgezeichnet. Doch noch viel wichtiger: Ihre Spenden, die unsere Arbeit vor Ort ermöglichen. Und noch genauer: Ihr Vertrauen in unsere Arbeit. Dafür danken wir Ihnen und hoffen auf Ihre Treue auch im neuen Jahr mit den vor uns liegenden Aufgaben.