burundikids e.V.

Jahresbericht 2011 burundikids e.V. – Zukunft für Kinder in Afrika

Das Spendenaufkommen der burundikids in 2011 beläuft sich auf 360.986,16 Euro. Eine detaillierte Aufstellung der Spendeneinnahmen und der Ausgaben für Projekte ist der Tabelle zu entnehmen. Denn Transparenz ist uns ein wichtiges Gut!

Zwischenzeitlich gab es kleinere Engpässe bei der regelmäßigen Finanzierung der Projekte, die jedoch schnell ausgeglichen und überbrückt werden konnten. Grund hierfür ist das weiterhin sehr zurückhaltende Spendenverhalten aufgrund der unsicheren Zeiten in der Wirtschaft und auf den Finanzmärkten. Auch in Burundi meldeten unsere Partner der Fondation Stamm weitere Preissteigerungen, insbesondere bei Kraftstoff, Baumaterial und Nahrungsmitteln. Benzin und Diesel kosten zwischenzeitlich ähnlich viel wie in Deutschland. Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis sind in den vergangenen Jahren bis auf über einen Euro pro Kilo gestiegen.

Unsere Projekte in 2011:

Ausbildungszentrum „Fikentscher“ (AZG, Gitega)

Mit dem Partner Kinderhilfestiftung Fikentscher ergab sich eine weitere Kooperation zum Ausbau des Ausbildungszentrums in Gitega (AZG). Gebaut wurden weitere Klassenräume, um weitere Ausbildungsberufe anbieten zu können. Fortan wird am AZG auch Lederverarbeitung gelehrt, sowie die Ausbildung am Computer.

Die Kooperation mit Terre des hommes (Tdh) hat weiterhin Bestand. Tdh interveniert auf Justizebene und kümmert sich um faire Verfahren für Minderjährige, die für geringe Straftaten (bspw. Diebstahl) in Gefängnissen einsitzen. Für die anschließende Integrierung in die Gesellschaft sollen die Jugendlichen (Mädchen wie Jungen) ein Handwerk lernen, ehe sie auf eigenen Beinen stehen können und sollen. Die Berufsausbildung absolvieren die Jugendlichen in einer der Einrichtungen unseres Partners Fondation Stamm, u.a. auch in Gitega. Darüber hinaus wohnen sie – zum Jahresende acht Jungen – über diesen Zeitraum im Heim, das ebenfalls von burundikids finanziert wird und insgesamt 21 Jungen beherbergt.

Die Jugendlichen produzierten außerdem während ihrer Ausbildung Möbel, Türen und Fenster, die in anderen Einrichtungen der Fondation Stamm Verwendung finden. In 2011 absolvierten am AZG 95 Mädchen und Jungen eine Ausbildung.

 

Schule „Ecole Polyvalente Carolus Magnus“ (EPCM, Bujumbura)

Wie schon im vergangenen Schuljahr lernen an der EPCM knapp 900 Mädchen und Jungen vom Kindergarten, über Grundschule und Oberstufe, bis hin zum technischen Abitur. Neben der PTA (pharmazeutisch-technischer Assistent) und Krankenpflegeschule kam in diesem Schuljahr die Ausbildung in Hotelfach (A2-Diplom) hinzu – aufgrund der steigenden Nachfrage im Gewerbe.

In 2011 haben zwei ausländische Expertinnen gemeinsam mit Grundschuldirektor Désiré Ndayihereje die Strukturen und Abläufe im Primarschulbereich professionalisiert, Workshops mit den Lehrern durchgeführt und dadurch die Lehre weiter verbessert.

Bei den baulichen Maßnahmen konnte der zweite Bauabschnitt (Obergeschoss) weiter gebaut, aber noch nicht vervollständigt werden. Unser Partner von der Stiftung Hauck gab die Zusage, die notwendigen Mittel für die restlichen Klassenräume Anfang 2012 zur Verfügung zu stellen. Außerdem wird angestrebt, mit „Ein Herz für Kinder“ den dritten und unbedingt notwendigen Bauabschnitt anzugehen.

Die staatliche Telefongesellschaft ONATEL sponserte der Schule übrigens eine gratis Internetverbindung. Dieser neue Zugang erleichtert den Lehrern und Direktoren die Arbeit und bietet auch den Schülern – im Rahmen des PC-Unterrichts – einen „Blick über den Tellerrand“.

 

Klinik „Centre Médical Hippocrate“ (CMH, Bujumbura)

Das CMH öffnete – nach der erfolgreichen Inspektion des Gesundheitsministeriums – in 2011 auch die Türen seiner Patientenzimmer, sodass zwischenzeitlich Kranke auch stationär aufgenommen werden können. U.a. ist auch das erste Baby im CMH zur Welt gebracht worden. Der Betrieb ist nun auf 24 Stunden/Tag ausgeweitet worden.

Neben dem einheimischen Personal (Ärzte, Laboranten, Krankenschwestern, Pfleger, Psychologen, Apotheker, etc.) war auch zwei Mal das Ärzteehepaar Antelmann zu Besuch. Der Gynäkologe Dr. Antelmann schulte das einheimische Personal und half beim Praktizieren in der Medizinstation.

Darüber hinaus besuchte das CMH eine kleine Ärztegruppe aus Baden-Württemberg, die im Rahmen der Partnerschaft des Bundeslandes mit Burundi Möglichkeiten für Einsätze studierte. Das CMH kommt in die engere Auswahl, weitere Gespräche sollen folgen – und möglichst bald auch Einsätze medizinischer Experten in Bujumbura.

Die burundikids haben außerdem zum ersten Mal eine finanzielle Zusage des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) erhalten. Die Mittel werden dazu verwendet, das CMH durch eine gynäkologische Abteilung zu erweitern. Der Entschluss zu diesem Neubau fiel aufgrund der steigenden Nachfrage der Bevölkerung in dieser Region.

Dank des neuen Partners Helfen direkt e.V. aus Baden-Württemberg verfügt das CMH außerdem über eine eigene Ambulanz. Der Krankenwagen ist der einzige in der gesamten Region.

 

Straßenkinder „Centre Birashoboka“ (Bujumbura)

Im Straßenkinderheim leben 88 Jungen, vom Grundschul- bis ins junge Erwachsenenalter, die rund um die Uhr betreut werden. Alle Jungen gehen zur Schule oder absolvieren eine Berufsausbildung. Personell gab es einige Umstrukturierungen, ein neuer Heimleiter wurde eingestellt, der sich u.a. um die inhaltlichen Strukturen, sowie die damit verbundenen Vorbereitungen für die individuellen Reintegrationen der Jungen kümmern soll.

Vorbereitet wurden die neuen Strukturen gemeinsam mit dem einheimischen Personal von Dipl.-Psychologen Anselm Crombach von der Universität Konstanz. Insgesamt arbeitete er ein Jahr lang im Heim, verbunden mit einer Studie für seine Doktorarbeit.

Außer dem großen Heim verfolgt die Fondation Stamm weiterhin die Strategie, kleinere Gruppen von älteren Jugendlichen in „betreutem Wohnen“ unterzubringen – als erster Schritt in Richtung Selbständigkeit. Die Jungen werden zwar weiterhin versorgt mit Lebensmittel, Schulgeld, etc. und personell betreut, müssen sich jedoch selbst organisieren (kochen, etc.). Darüber hinaus werden viele Jugendliche, die zwar mit ihrer Familie, jedoch in großer Armut leben, unterstützt – beispielsweise mit Schulgeld.

burundikids e.V. finanzierte das Straßenkinderheim vollständig – mit laufenden Kosten, Personal, Ernährung und täglichen Bedarf der Kinder, Schulgeld und Reintegration von Jugendlichen.

 

Aron

Aron, ein Junge aus dem Straßenkinderheim, ist lange und individuell auf seine Reintegration vorbereitet worden. Aufgrund einer privaten Initiative aus Österreich standen uns Mittel zur Verfügung, ein kleines Grundstück in der Heimatregion Arons zu erwerben und ein Häuschen zu bauen. Aron soll dort künftig selbständig leben. Während seiner Zeit im Heim hat er übrigens gelernt, Körbe zu flechten – um ein kleines Zusatzeinkommen erwirtschaften zu können. Aron wurde von seiner Unterstützerin übrigens in diesem Jahr persönlich besucht – zum zweiten Mal.

 

Waisenkinder „Centre Uranderera“ (Bujumbura)

Das Waisenhaus im Viertel Mutakura wurde auch 2011 von burundikids vollständig finanziert. Die 32 Kinder werden dort vollständig von Betreuerinnen versorgt, kleine Jungen und Mädchen gemischt, darunter auch Babys und ein behindertes Mädchen. Alle Kinder gehen zur Schule bzw. in den Kindergarten. Ein älteres Mädchen absolviert die PTA-Ausbildung an der Schule EPCM. Eine Kooperation wurde eingegangen mit einer Tagesstätte ganz in der Nähe. Dort bieten Sozialarbeiter Betreuung an, kulturelle Gruppen, Möglichkeit für Sport, aber auch Kurse in Aufklärung und Erziehung.

Nicht weit vom Heim entfernt befindet sich der Kindergarten im Viertel Buterere (s.u.).

 

Mutter-Kind-Heim „Centre Nyubahiriza“ (Bujumbura)

Auch in 2011 unterstützte burundikids e.V. das Mütterheim „Nyubahiriza“ vollständig finanziell und mit Sachspenden. Einige Mittel konnten wir auch dieses Jahr wieder über die Internetplattform „betterplace“ akquirieren. Darüber hinaus haben die Schneiderinnen viele Produkte produziert, die wir in Deutschland und über den Partner burundikids schweiz verkaufen konnten. Zum Jahresende leben im Heim 16 junge Frauen mit 15 Babys bzw. Kleinkindern. Seit Gründung des Heims vor fünf Jahren wurden schon 75 Mädchen erfolgreich reintegriert!

 

Kindertagesstätte „Centre Duhinduke“ (Bujumbura)

Die Kindertagesstätte „Duhinduke“ im Armenviertel Buterere bekam Besuch von den Partnern des Kinderhauses Lörrach-Brombach (Baden-Württemberg). Finanziert wurde es, u.a. mit deren Unterstützung, auch in 2011 vollständig.

Die beiden Gruppen (vor- und nachmittags) sind vollständig ausgebucht. Insgesamt besuchen 150 Kinder den Kindergarten und das Projekt erfreut sich größter Beliebtheit im Viertel.

 

Arbeitsgruppen (Karlsruhe und Köln), Schulen (bundesweit)

Eine große Stütze für den Verein sind nach wie vor seine beiden Arbeitsgruppen in Köln und Karlsruhe. Unzählige Pakete mit Hilfslieferungen (v.a. Medikamente) nahmen den Weg von Deutschland nach Burundi, um dort den Projekten zugute zu kommen. In Deutschland waren die burundikids dank der Gruppenmitglieder bei vielen Veranstaltungen präsent und konnten Spenden gewinnen. U.a. hat auch erstmals ein Theaterstück einer Karlsruher Truppe von Burundi gehandelt, die sich für die Projekte der burundikids eingesetzt haben – über eine gesamte Spielzeit hinweg.

Außerdem sind im gesamten Bundesgebiet (und eine in Athen!) Schulen für die burundikids aktiv – zu den treuen Partnern kamen neue Unterstützer hinzu, was sich als sehr wichtig für die Kontinuität der Projekte erweist.

 

Eigenes Büro und interne Angelegenheiten

Das Büro der burundikids in Köln entwickelte sich ebenfalls weiter. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter treffen sich dort zu regelmäßigen Teamsitzungen und Arbeitsgesprächen. Das Büro verfügt über ein großes Schaufenster: Darin sind selbstgemachte Sachen aus den Projekten in Burundi, Auszeichnungen für burundikids und Veröffentlichungen über burundikids ausgestellt. Draußen liegen Flyer bereit. Immer wieder interessieren sich Passanten für die Arbeit von burundikids, kommen ins Büro und informieren sich über unsere Arbeit.

Darüber hinaus haben die burundikids ihre erste Praktikantin im Kölner Büro. Alina Adam hilft bei der Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, recherchiert, erledigt organisatorische Dinge, kümmert sich um Fragen der Spender, um Spendenbescheinigungen und macht Vorbereitungen für die Buchhaltung. Außerdem hat sie einen Infofilm über den Deutschlandaufenthalt von Schreiner Emmanuel aus Burundi gedreht.

Die burundikids haben außerdem ihre Reichweite ausgebaut. Seit diesem Jahr sind sie auch in sozialen Netzwerken wie facebook oder Xing zu finden, außerdem auf Plattformen wie betterplace und helpedia. Mit der Homepage verknüpft ist außerdem eine eigene Geschenke-Seite, auf der virtuell aber direkt geschenkt und damit für den guten Zweck gespendet werden kann.

 

Medien

Zahlreiche Medien berichteten in 2011 über die burundikids und die Aktivitäten des Vereins. Eine Auswahl ist unter „Presse/Medien“ zu finden.

Außerdem war ein Filmemacher aus der Schweiz vor Ort in den Projekten und produzierte einen Kurzfilm über das Gesundheitszentrum CMH auf Schwyzerdytsch und Französisch, der auf youtube zu sehen ist. Die deutsche Version muss noch vertont werden. Mehrere kürzere Filmchen zu jedem Projekt der Fondation Stamm sind in Arbeit und werden in 2012 online zu sehen sein.

 

Auszeichnungen

Unser Mitarbeiter Philipp wurde mit dem Journalistenpreis 2011 des Rhein-Kreis Neuss in der Kategorie Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet. Grundlage für den Preis war Philipps Reportage „Tu Gutes und reise da rüber“, erschienen in Merian. Das Thema: Burundi, Fondation Stamm und burundikids. Die Auszeichnung gilt demnach auch der guten Arbeit in Burundi.

 

Dank

Ohne unsere Partner und Unterstützer in Deutschland und weltweit können wir vor Ort nicht aktiv werden. Sie sind das Fundament für unsere Arbeit für Waisen, Straßenkinder und Opfer sexueller Gewalt – und deren Zukunftsperspektive. Weiterhin legen wir großen Wert auf Transparenz; damit unsere Partner mit uns am Tisch sitzen. Wir wünschen uns, dass Sie uns auch weiterhin die Treue halten, um die vor uns liegenden Aufgaben weiterhin meistern zu können. Danke an alle Unterstützer – machen wir so weiter!